Inklusion zum Nulltarif?

„Inklusion im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention bedeutet, dass allen Menschen von Anfang an in allen gesellschaftlichen Bereichen, eine selbstbestimmte und gleichberechtigte Teilhabe möglich ist. … Dementsprechend leben, arbeiten und lernen Menschen mit Behinderungen nicht in Sondereinrichtungen. Es gibt vielmehr einen ungehinderten, barrierefreien Zugang und eine umfassende Beteiligung von Menschen mit Behinderungen am bürgerlichen, politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben.“ So liest man auf der Seite des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen am 28.10.2012. In der Praxis des Bildungswesens sind Tendenzen erkennbar, die bestehenden Sondereinrichtungen schnell auflösen. Diese sind sicher nicht optimal, aber erprobt und stellen in den Finanzplänen einen Posten dar, den man mit Freude abschmilzt. Vor und erst recht nach der Auflösung der entsprechenden Sondereinrichtungen gelang es bisher aber nicht, eine adäquate Ausbildungskompetenz an die Regel- und freien Schulen zu übertragen. So wird den betroffenen Kindern der „barrierefreie Zugang“ zur Gesellschaft verwehrt.

 

Umsetzung des Inklusionsgedankens; individuelle Förderung

Speziell für die Belange der von Legasthenie oder Dyskalkulie Betroffenen bedeutet eine Umsetzung des Inklusionsgedankens zunächst die Ermittlung des individuellen Förderbedarfs, weil sich die Ausprägung bei den Einzelnen sehr unterschiedlich zeigen. Es gibt also nicht die Legasthenie oder Dyskalkulie – sondern immer nur eine Erscheinungsform. Genauso unterschiedlich sind die Ansätze für ausgleichende Maßnahmen. Bei der Legasthenie hat sich die Erlangung der Schreib- und Lesekompetenz über das Erlernen der Gebärdensprache als erfolgreich erwiesen. In der ehemaligen DDR wurde dieser Ansatz zunächst an den Sprachheilschulen verfolgt und schwer legasthene Kinder in den 1970igern sehr erfolgreich gemeinsam mit Sprachgestörten unterrichtet. Das Erlernen der Schriftsprache über den Umweg der Gebärden erfordert längere Zeit, die Betroffene zusätzlich zum Lernpensum aufbringen müssen. Man hat aus diesem Grund – und sicherlich auch wegen der speziellen Lehrpläne an den Fördereinrichtungen – die von Legasthenie betroffenen Kinder nach der zweiten Klasse aus den „normalen“ Schulen herausgenommen und an den Sprahheil-Schulen die zweite Jahrgangsstufe wiederholen lassen. Siehe auch nachfolgender Menüpunkt "Grundschulförderung/ Förderung in speziellen LRS-Klassen in ausgewählten Grundschulen"

 

Startseite Administration