Der realistische Förderbedarf

Aus der Beratung von Betroffenen und der aus der Zusammenarbeit mit Therapeuten gesammelten Erfahrung stellt sich der Bedarf an individueller Förderung für legasthene Kinder folgendermaßen dar:
Im Grundschulalter muss eine Förderung über etwa zwei Jahre ca. 6-8 Stunden wöchentlich für das Erlernen der Zeichensprache abgesichert werden können.
In der nachfolgenden Sekundarstufe 1 müssen etwa weitere 2 Stunden wöchentlich zur Festigung des alternativen Schreib- und Lesekonzepts erfolgen.
Die an den Schulen bisher allgemein gebräuchlichen Ansätze, um Lese- Schreib und Rechenkompetenzen zu vermitteln, sind für die von Legasthenie und Dyskalkulie Betroffenen von der Methodik her ungeeignet. Hier sind alternative Lehransätze erforderlich. Ein gemeinsamer Unterricht, beispielsweise mit Kindern mit Migrationshintergrund, deren Defizite vollkommen andere Ursachen haben, ist nicht zielführend.
Neben der Förderung ist die Berücksichtigung einer eingeschränkten Kommunikationsfähigkeit im Bereich der Schreib- und Lesekompetenz bei Legasthenikern in allen Bereichen der schulischen Bildung notwendig. Ein Legastheniker kann durchaus schriftliche Informationen verarbeiten. Das führt oft zu einer Fehlinterpretation bei Pädagogen, dass sich die Betroffenen versagen, weil sich nicht bemühen. Viele Betroffene können kurze Texte vollständig erfassen und werden nicht auffällig. Die Probleme beginnen dann, wenn die Legastheniker beim Lesen schnell ermüden und es ihnen schwer fällt, die Inhalte der Texte auch in ihrer Gesamtheit und Komplexität zu erfassen. Aus diesem Grund erfordert der Gedanke der Inklusion einen Nachteilsausgleich in allen Schulfächern, die Lese -und Schreibkompetenz abbilden.
Bisher verzichten die Behörden trotz diesbezüglicher Bereitschaftsbekundungen auf die Meinung der Betroffenen, wenn es um die Gestaltung von Förderrichtlinien geht. Wir können keine Aussage treffen, nach welchen Erkenntnissen die Ministerien der einzelnen Bundesländer ihre sehr unterschiedlichen Rechtsvorschriften für die Schulen erarbeiten.
Das Fehlen von klaren Aussagen der Kultusministerien verunsichert die meisten Pädagogen. Die Angst davor, Eigenverantwortung zu übernehmen, überwiegt in vielen Fällen gegenüber dem pädagogischen Ermessensspielraum.

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