Förderung in speziellen LRS-Klassen in ausgewählten Grundschulen

Ausführlicher Artikel in der Verbandszeitschrift LeDy Ausgabe 01 2014 S. 77 erschienen

Für legasthene Kinder bestand im Osten Deutschlands, so auch in Sachsen-Anhalt, bisher die Möglichkeit, an ausgewählten Grundschulen in speziellen LRS-Klassen zu lernen.
Mit den LRS-Klassen blieb ein bereits in den 1970iger Jahren zu DDR-Zeiten eingeführtes Instrument erhalten, dessen Erfolge nachweislich sind. Den Betroffenen wurde an den damaligen Sprachheilschulen der Zugang zur Schriftsprache über das Erlernen der Gebärdensprache eröffnet. Nach der Wende wurden in Sachsen-Anhalt einige dieser Klassen an normalen Grundschulen weiter geführt. Dazu werden die Betroffenen nach der zweite Jahrgangsstufe aus ihren Klassen heraus genommen und wiederholen an der neuen Schule die zweite Klasse. Die Wiederholung ist notwendig, um den Kindern mit den Mittel der Gebärdensprache den Zugang zur Schriftsprache zu ermöglichen und den wegen der ungenügenden Lesefähigkeit verpassten Stoff in den anderen Fächern nach zu holen. Für die betroffenen Kinder wird also die Schulausbildung voraussichtlich ein Jahr länger andauern. Die Schulen befinden sich mehr oder weniger zentral und für die Betroffenen sind die Schulwege oft beträchtlich lang. Sie nehmen diese Schwierigkeiten aber gern in Kauf, weil Kinder mit Legasthenie im Sozialverband der Klasse oft die Rolle von Lernschwachen zugewiesen wird. In Verbindung mit mangelnder Sensibilität der Pädagoginnen und Ratlosigkeit im Elternhaus entstehen so oft massive psychische Probleme. Wenn die Kinder sinnbildlich unter dem Küchentisch sitzen und nicht mehr vorkommen wollen, ist es höchste Zeit sie einem anderen Umfeld zuzuführen. Das bieten die LRS-Klassen, in den die sozialen Rollen neu verteilt werden und die Betroffenen feststellen, dass sie mit ihren Problemen nicht allein dastehen.
Leider muss festgestellt werden, dass mit Beginn des Schuljahres 2012/2013 an vielen Standorten des Landes Sachsen-Anhaltes neue LRS-Klassen nicht wieder eröffnet wurden.

In Thüringen und Brandenburg wurde gleich 1991/92 mit der Übernahme der bundeseinheitlichen Standards auf die Fortführung spezieller LRS-Klassen verzichtet und wie in den alten Bundesländern die Förderung in private Verantwortung übergeben.

In Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern haben die LRS-Klassen nach wie vor Bestand.

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